„Das fühlt sich nicht gut an“ war die Rückmeldung einer Freundin, nachdem sie eine Predigt von mir gehört hatte. Sie war erst vor kurzem Jesus begegnet und ich wollte sie bestimmt nicht verschrecken. Und doch war genau das passiert. Und nein, es waren nicht fromme Vokabeln, der Inhalt an sich war schlimm für sie. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet und es tat mir leid, dass sie solche Mühe damit hatte. Trotzdem konnte – oder vielmehr: wollte – ich kein Wort zurücknehmen oder als „Missverständnis“ abtun. Denn die Worte waren reiner Bibeltext und verstanden hatte sie sehr genau. So hatten wir jetzt beide etwas, das sich nicht gut anfühlte.

Ich hab lang darüber nachgedacht, ob ich künftig noch vorsichtiger sein sollte, insbesondere wenn ich weiß, dass unerfahrene Christen da sind oder sogar Menschen, die noch kaum was von Gott wissen. Dann aber fiel mir Jesus ein, der deutlich gesagt hat, was er zu sagen hatte, und der damit durchaus Leute verschreckt hat. Jesus bekam auf eine seiner Reden mal die Rückmeldung, dass sie unerträglich hart sei und viele, die bis dahin mit ihm mitgegangen waren, haben ihn deshalb verlassen (Johannesevangelium, Kapitel 6).

Also nehme ich mir vor, auch künftig über meinen Glauben an Jesus zu reden und meine Gedanken über Bibeltexte zu teilen. Ich will das so freundlich, freudig und einladend wie nur möglich tun, im Klartext und halt immer mit dem Risiko, dass manch einer das schrecklich findet.

Dieses Risiko einzugehen, hat letztlich mit Vertrauen zu tun. Ich kann nicht im Voraus wissen, wie andere Menschen reagieren. Und ich kann jederzeit Fehler machen. Aber Jesus ist da. Der Heilige Geist wirkt und kann auch im Nachhinein Dinge geraderücken. Nicht alles, was ich in der Bibel lese, im Gottesdienst höre oder selbst weitersage, fühlt sich gut an. Trotzdem kann es die Wahrheit sein, die gut tut und die ich selbst oder andere hören müssen, um im Glauben und in der Persönlichkeitsentwicklung weiter zu gehen. Ich hab dafür gebetet, dass der Heilige Geist meiner Freundin die Dinge sortiert und gleichzeitig mich korrigiert, falls ich doch irgendwas falsch gesagt oder gemacht haben sollte. ER kann uns viel sanfter und dabei viel gründlicher überzeugen als wir uns gegenseitig.

Das alles ist etwa vier Wochen her und wir haben uns heute wieder getroffen. Als ich sie gefragt hab, was das eigentlich genau war, was sich nicht gut anfühlte, hat sie ihre neue Sicht mit mir geteilt und ich konnte sagen, worin für mich das Positive in dem Text lag. Wir hatten einen leichten und tiefen und erfüllten Nachmittag und viel Freude übereinander und über „unseren“ Jesus.