Maskenball

Wieder einmal bringt mich der Fasching zum Nachdenken. Denn so viele Leute haben Spaß daran, nur ich befinde mich irgendwo zwischen gelangweilt und genervt angesichts so vieler Albernheiten.

Ich brauch keinen Fasching. Haben wir den nicht sowieso das ganze Jahr? Oder zumindest Maskenball? Ich erlebe, wie wenig authentisch die meisten Menschen sind, wie wenig sie von sich zeigen, wie wenig echter Kontakt möglich ist. Jeder scheint sich in irgendeiner Form zu verstecken. Jeder hat irgendeine Maske auf.

Aber…wie authentisch bin ich? Kann man mich sehen, hören, spüren? Sag ich, was ich denke und meine ich, was ich sage? Bin ich echt? Ich weiß es nicht genau, aber ich spüre diese Sehnsucht in mir nach etwas Echtem bei mir und zwischen mir und anderen.

Wozu brauchen wir unsere Masken eigentlich? In der Bibel heißt es nach dem Sündenfall: „Da erkannten sie, dass sie nackt waren und sie schämten sich sehr.“ Es gibt in uns wohl eine Urangst, uns vor anderen zu zeigen, wie wir wirklich sind. Vielleicht kommen daher unsere Zurückhaltung, unser scheinheiliges Nettsein und unsere Empfindlichkeit, wenn doch mal einer wirklich ehrlich ist.

In einer Fernsehreportage wurde die Betreiberin eines Kostümverleihs gefragt, welche Kostüme am häufigsten ausgeliehen werden. Ihre Antwort war: „Die Männer wollen Helden sein, sowas wie Superman, die Frauen wollen in erster Linie schön sein, also Prinzessin oder Königin, ein schönes Tier geht auch.“ – Ja, das leuchtet mir ein. Männer lieben es, gebraucht zu werden, etwas zu bewegen, etwas zu können und ihre Kraft zu spüren. Frauen wollen gefallen, sich und ihre Umgebung verschönern, aber sie haben auch gern das Sagen, halt so wie eine Königin. Und bei allen steckt dahinter die Sehnsucht nach Anerkennung und Geliebtwerden. Aber kaum einer gibt zu, wie bedürftig er ist, wie groß die Sehnsucht, wie klein der Selbstwert und wie groß die Scham.

Könnte es sein, dass unsere Masken und unsere Kostüme viel mehr über uns verraten als unser Alltagsgesicht? Zeigt die Verkleidung am Ende die wahre Sehnsucht? Ist Fasching vielleicht gar die Flucht aus der Ganzjahresmaskarade und gar nicht so albern wie er mir erscheint?

Okay, Gott, ich glaub, ich hab verstanden. Es gibt keinen Grund für Arroganz. Auch andere wünschen sich etwas Echtes, sie leben diese Sehnsucht nur anders als ich. Vielleicht stehen die Chancen gar nicht schlecht, einander wirklich zu begegnen!?

 

Eure Iris Plischke