Darf ich um diesen Tanz bitten?

Foto von Alvin Mahmudov_stocksnap.io

Ich besuche seit 6 Wochen einen Paar-Tanzkurs und bin je länger desto mehr begeistert vom Tanzen. Das hängt bestimmt damit zusammen, dass wir immer besser darin werden. Wir lernen immer wieder etwas Neues im Kurs: Schrittfolgen, Tanzelemente, Drehungen. Wir werden aber auch besser im Führen (mein Mann) und im Führenlassen (ich).

Wenn wir einander auf die Füße traten, haben wir uns gegenseitig beschuldigt: Ich habe ihm gesagt, er führe nicht, er sagte mir, ich lasse mich nicht führen. Beide Anschuldigungen hatten ihre Berechtigung – mal die eine, mal die andere.

Dabei kam bei mir der Gedanke auf, wie ich mit Gott durchs Leben tanze. Überlasse ich ihm die Führung oder kommt teilweise auch die berechtigte Rückmeldung, ich will mich nicht führen lassen?

Ich habe mir überlegt, aus welchen Gründen ich wohl die Führung beim Paartanz zwischenzeitlich übernehme. Das sind Momente, wo ich nicht sicher bin, ob mein Mann weiß, was er jetzt machen sollte oder wenn ich der Überzeugung bin, ich weiß, was jetzt für eine Schrittfolge kommt. Was würde dies in meinen Leben bedeuten. Ich übernehme die Führung in meinem Leben, wenn ich Gott nicht ganz vertraue, dass er es gut mit mir meint oder wenn ich mein Leben genau geplant habe und keinen anderen Weg nehmen möchte. Diese Überlegungen haben mich nachdenklich gestimmt: Weiß ich doch eigentlich, dass Gott immer das Beste für mich will und ich ihm daher auch die Führung im Leben anvertrauen kann.

Ich will aber einmal mehr Gott (und auch meinem Mann) die Führung überlassen und freue mich aufs Tanzen (im Leben oder im Übungssaal). Es macht nämlich großen Spaß!

 

Manu Steiger